39 Tage London – Schottland – England – Wales – Expo’58 Brüssel – Paris 1958
Erfolgreicher Start in London
Mein Sprachaufenthalt ist am Freitag, 15. August 1958 zu Ende und für die Rückkehr in die Schweiz steht mir genügend Zeit zur Verfügung, da ich meine neue Arbeitsstelle erst am 1. Oktober antreten werde. So entscheide ich mich einmal mehr, mit Autostopp zu reisen. Da ich bereits in Grossbritannien bin, will ich vor allem Schottland ausgiebig bereisen, sozusagen als Praktikum, um das Gelernte von der Schule jeden Tag intensiv anwenden zu können.
Wieder mit dem „Fähnchen“-Trick unterwegs
Wie auf den Reisen durch Frankreich 1955 und nach Skandinavien 1956 bin ich auch dieses Jahr wieder ausgerüstet damit, was mir oft Vorteile verschafft.
Die erste Gelegenheit, das gelernte Englisch anzuwenden habe ich schon nach 30 km. Ein netter Mann sieht meinen Schweizer Wimpel und ich darf einsteigen für die Fahrt bis nach Edinburgh. Nach 630 km bringt er mich direkt vor die Jugendherberge. Für den ersten Tag kein schlechter Start, denke ich mir.
Ich sehe in der Jugi ein Plakat, dass im Rahmen des Sommer-Festivals ein „Military Tattoo“ stattfindet. Ich habe Glück, dass am Samstagabend noch eine Spät-Aufführung um 22.30 Uhr stattfindet und ich organisiere mir sofort ein Ticket.
Das Military Tattoo-Programm beinhaltet neben der Musik der Pipes und Drums des schottischen Regiments auch die Teilnahme anderer Nationalitäten. Dazu kommt die beeindruckende Kulisse des beleuchteten Edinburgh Castle und ein Publikum von 9000 Zuschauern, das diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lässt.
Tief beeindruckt gehe ich spät in die Jugendherberge zurück.
Nach einem interessanten Tag in der Stadt bin ich wieder unterwegs und am Firth of Forth überqueren wir den Fluss über eine imposante Brücke. Mit mehreren Autos fahre ich via Perth und Dundee nach Aberdeen, wo ich für eine Nacht in der Jugendherberge bleibe.
Ich verlasse die Küste in Aberdeen und fahre durch fruchtbares und hügeliges Gebiet in die „Highlands“ in nordwestlicher Richtung, bis ich im Laufe des Nachmittags in Inverness ankomme.

Inverness mit Burgschloss und Brücke über den Kaledonischen Kanal
Der Kaledonische Kanal führt diagonal durch die Stadt und in den berühmten Loch Ness (Loch = See), wo das See-Ungeheuer „Nessie“ hausen soll, das mich aber nicht sehen wollte. Das Burgschloss dominiert das Stadtbild.
Je weiter nördlicher ich komme, desto hügeliger und bergiger wird die Gegend. Ich verlasse die Ostküste und fahre direkt nach Norden, wo ich nach wenigen Kilometern in Thurso die Nordküste erreiche. Und schon bald bin ich im Dorf Castletown, wo sich die nördlichste Jugendherberge unweit der felsigen Küste am Meer befindet.

“Strand” bei Castletown
Mein Ziel ist nahe – der nordöstlichste Punkt Grossbritanniens – John o’Groats
Nach langem Warten habe ich ein Auto für die 10 km bis John o’Groats.
Es ist eine gottverlassene, karge Gegend, wo noch etwas Landwirtschaft betrieben wird. Ich wandere ein kurzes Stück weiter östlich zur äussersten Landspitze Duncansby Head, bekannt wegen ihrer spektakulären Felsnadeln als Nistplatz vieler seltener Seevögel.

Duncansby Head, der effektiv nordöstlichste Punkt Grossbritanniens

Eine wilde, rauhe Gegend beim Duncansby Head
Zurück in John o’Groats warte ich endlos auf einem Parkplatz, bis ein Fahrer zu seinem Auto kommt und ich ihn fragen kann, ob ich zurück nach Castletown mitfahren kann.
Die trostlose Nordküste Schottlands
Meine Idee, von Castletown alles der Nordküste entlang per Autostopp zu reisen, findet der Herbergsleiter etwas verwegen und hoffnungslos, es sei denn, ich hätte genügend Zeit zur Verfügung. Die nehme ich mir, denke ich. Zudem gibt es an der Nordküste noch zwei Jugendherbergen, sodass ich kaum irgendwo ohne Unterkunft stranden werde.
Ich verlasse die Jugi relativ früh am Morgen, um bessere Chancen zu haben. Die ersten 9 km bis Thurso bewältige ich zu Fuss, bleibe am Dorfrand und verzichte darauf, weiterzugehen, in der Hoffnung, irgendjemand werde mich mitnehmen. Die wenigen Autos unterwegs bleiben im Dorf und keines fährt in meiner eingeschlagenen Richtung. Der Herbergsleiter scheint Recht zu bekommen.
Meine Weiterreise wechselt sich ab mit Fussmärschen und kurzen Autofahrten, bis ich mich auf einem Felsen etwas abseits der Strasse ausruhe. Ich geniesse die Minuten an diesem Ort und schaue ins Meer hinaus – irgendwie sehr beruhigend. Wie klein kommt man sich doch in einem solchen Moment vor – und alle Probleme auf dieser Welt scheinen überhaupt nicht zu existieren.
Es ist trostlos hier, die Gegend ist rauh, das Wetter ist grau, stark bewölkt, es geht ein kühler Wind und ich halte mich besser warm, wenn ich zu Fuss weitergehe. Ich muss immer wieder kleinere und grössere Buchten umwandern, um wieder ans Meer zu gelangen. Tausend Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man so während dem Gehen „meditieren“ kann, ohne auch nur von einem Lebewesen gestört zu werden.
Je weiter ich nach Westen gelange, desto zerklüfteter und wilder wird die Landschaft. In Tongue überquere ich einen Seitenarm auf einem schmalen Inselstück, die Strasse windet sich hinauf und nach ein paar Kilometern öffnet sich der Blick auf einen länglichen See und keinen Kilometer später kommt wieder der nächste Meeresarm. Dieser muss weit umfahren werden, bevor ich im letzten Dorf an der Nordküste, Durness, ankomme.
Die zerklüftete und faszinierende Westküste
Es ist kaum zu glauben, dass es in dieser unwirtlichen Gegend noch eine Jugendherberge gibt. Ich bin in Eddrachillis angekommen und es sind denn auch sehr wenig Gäste anwesend in dieser kleinen Herberge.
Das war ein anstrengender, zermürbender aber doch ein ungemein interessanter und eindrücklicher Tag – eine Gegend, wie ich sie bislang überhaupt nicht im Geringsten irgendwo angetroffen habe.
Ich mache mich am nächsten Tag beizeiten auf den Weg, da ich unbedingt weiter der schmalen Strasse folgen will, die dem Meer am nächsten ist, d.h. westlicher gibts gar keine Strasse mehr. Die ersten Kilometer sind spektakulär, die Strasse windet sich hinauf und hinab und immer wieder hat man den Blick frei auf kleine Seen sowie auf das Meer und die zerklüftete Küste.
So geht es den ganzen Tag und ich habe mal hier ein Auto, mal dort und zwischendurch immer wieder längere Fussmärsche. So erreiche ich am Nachmittag nach rund 160 km „wilder“ Fahrt den Ort Aultbea. Es ist kleines Fischerdorf und die Häuser liegen weit auseinander. Die Jugendherberge ist an einer spektakulären Lage direkt am Meer, am Ende einer zerklüfteten kleinen Halbinsel.

Selten in einer Jugi an einem solchen wilden, gottverlassenen Ort übernachtet.
Nachstehend zum besseren Verständnis mein Reiseverlauf im “hohen Norden”.
Eine kleine Wanderung am Loch Alsh als Abwechslung und ohne Gepäck
Ich bin am Vortag von Altbea nach 120 km in Balmacara angekommen. Wie üblich durch eine karge Landschaft und über einen Hügel nach dem andern und von einem Meeresarm zum andern.
Dieser Ort liegt wunderschön direkt am Loch Alsh, einem längeren Meeresarm, umgeben von Hügeln und höheren Bergen. Der Ort ist auch Ausgangspunkt von mehreren interessanten Wanderwegen, denn das ganze Gebiet ist unter dem Schutz des „National Trust of Scotland“, um die Einzigartigkeit dieser Gegend zu erhalten.
An diesem Morgen will ich deshalb eine kleine lokale Wanderung unternehmen und lasse mein Gepäck in der Jugi. Auf dem alten Fussweg spaziere ich zur 5 km entfernten grösseren Ortschaft Kyle of Lochalsh. Es ist eine unglaubliche Gegend mit vorgelagerten, grösseren und kleinen Inseln und das Meer reicht bis tief ins Landesinnere, der Loch Alsh ist ein Teil davon. Nach diesem interessanten und lohnenswerten Ausflug mache ich mich am Nachmittag wieder auf den Weg.
Abwechslungsreiche Fahrt von einem „Loch“ (See) zum andern bis Oban
Die Fahrt geht vorerst direkt dem Loch Alsh entlang, die Gegend noch recht bergig und vorbei an drei grösseren länglichen Seen bis nach Fort Williams am Loch Linnhe.
Nach rund 115 km bin ich am Abend in der Jugendherberge von Glen Nevis. Ich bleibe am Vormittag in der Jugi, da ich mich von den Strapazen der letzten Tage etwas erholen will. Zudem ist die nächste Jugi in Glencoe nur 30 km entfernt, die ich am Nachmittag erreiche.
In der pittoresken Kleinstadt Oban
Ich bleibe noch im Westen und fahre dem Loch Linnhe entlang. Die Fahrt ist spektakulär – immer wieder verlassen wir das Ufer um nach kurzer Zeit wieder am Wasser zu sein, aber es ist immer noch der Loch Linnhe mit seinen verwinkelten Nebenarmen. Der See wird immer breiter und man spürt, dass die Mündung zum Atlantischen Ozean nicht mehr weit ist. Die Zivilisation rückt auch näher, als wir am Flughafen von Oban vorbeifahren, der sich zwischen der Strasse und dem See befindet.
Dann öffnet sich der Blick auf die pittoreske Stadt Oban, in einer herrlichen Bucht gelegen. Die Jugendherberge, im prächtigen Viktorianischen Stil, liegt im Zentrum und direkt am Wasser. Ideal, an diesem schönen Ort etwas länger zu verweilen.

Im Hafen von Oban
Kreuz und quer durch Schottland bis nach Glasgow
Auf meiner Weiterfahrt ist die Landschaft einmal mehr faszinierend. Bald bin ich am nächsten „Loch“ und die Strasse führt meist direkt dem See entlang und gibt den Blick frei auf die umliegenden, teils bewaldeten Hügel und Berge. Zu einem Grossteil ist die Fahrt im nördlichen Teil des „Loch Lomond and the Trossachs National Park“. Die Gegend wird einsam, nur hin und wieder sieht man ein Gehöft und es folgen kilometerlange Fahrten in Waldgebieten.
Im Laufe des Nachmittags erreiche ich Killin, am westlichen Ende des Loch Tay. Die Jugendherberge, ein charmantes Haus im viktorianischen Stil, liegt friedlich am Rande des Dorfes. Die Gegend ist bekannt für ausgedehnte Wanderwege, für Reiten, Wassersport und Angeln usw. Nach dem Einchecken führt mich ein kurzer Spaziergang zum nahegelegen See.
Je weiter ich am nächsten Tag südlicher fahre, desto zahlreicher werden Dörfer und Anbaufelder, bis ich nach 55 km in Dunblane ankomme.
Mein Weg nach Westen bringt mich zum bekannten Loch Lomond. Was für ein Unterschied in der Landschaft gegenüber den Highlands. Es ist nun mehrheitlich flaches Gelände, es wird viel Landwirtschaft betrieben und kleinere und grössere Ortschaften wechseln sich ab. Bald erreiche ich in Balloch den grossen Loch Lomond und die restlichen Kilometer nordwärts entlang des westlichen Ufers muss ich noch zu Fuss zurücklegen, bis ich zur Jugendherberge gelange. Die Jugi ist ein imposantes Landhaus im Nationalpark mit phantastischem Blick auf den See und die Hügel im Osten.
Am Vormittag bin ich am See und am Nachmittag im 30 km entfernten Glasgow angekommen. Die grosse Jugi liegt im Westen, an einem wunderschönen Park und das Zentrum ist entweder mit Lokalbus oder zu Fuss in einer halben Stunde erreichbar.
Somit geht meine Reise in Schottland dem Ende entgegen und beim Blick auf die Schottland-Karte realisiere ich, warum ich insgesamt drei Wochen hier verbracht habe.

Meine “Hitch-Hiking” Route in Schottland
Zurück nach England zum reizvollen Lake District
Mein Ziel für heute ist der Lake District im Westen der Insel, aber immerhin über 200 km entfernt.
Das Gebiet ist gekennzeichnet von einer eindrucksvollen Bergwelt mit vielen Schlössern, Nationalparks, Küsten und unberührter Natur. Auch tauchen immer wieder kleinere und grössere Seen auf. Was für ein Unterschied zum Norden Schottlands – eine richtige Wohltat.

Lake Windermere im Lake District
In Ambleside bin ich im Herzen des Lake Districts, am nördlichen Ende des Lake Windermere. Im 17 km langen See liegen 18 Inseln. Die Jugendherberge traumhaft schön am Ufer mit direktem Zugang zum See. Ein herrlicher Blick auf den See, die Langdale Pikes und die Berglandschaft der Umgebung. Ein Grund mehr, einen Ruhetag hier einzuschalten.
Ein lohnenswerter Abstecher nach Wales
Am frühen Morgen geht die Reise dem wunderschönen See entlang. Ich bin in der Nähe der beiden Grossstädte Manchester und Liverpool, will aber weiter nach Süden. In Ellesmere Port erreiche ich – fast unbemerkt- die Grenze zwischen England und Wales. Lediglich eine Tafel am Strassenrand – „Wales“ – macht darauf aufmerksam.
An der Dee-Bucht der Irischen See folge ich grösstenteils der Küste, bis ich weiter nördlich am offenen Meer bin. Die Dörfer und Städte, die ich passiere, tragen teils eigenwillige Namen. Ueber Llandudno erreiche ich am späten Nachmittag die Stadt Bangor nach rund 270 km Fahrt.
Bangor ist eine Universitätsstadt in der Region Gwynedd (ursprünglich Caernarvonshire) und liegt an der Küste von Nord-Wales und im Osten erheben sich die Bangor Berge.
Im „Prince of Wales“-Schloss in Caernarfon
In Caernarfon im Süden besuche ich das imposante Caernarfon Castle, eine gut erhaltene Burgruine, die letzte grosse Burg, die Edward I. im 13. Jh. als Festung und Palast errichten liess. Die Festung befindet sich direkt am Wasser und dominiert das ganze Stadtbild, ein gewaltiger Bau.
Berühmt ist diese Burg, weil 1911 im Innenhof erstmals die zeremonielle Verleihung des Titels „Prince of Wales“ an den britischen Thronfolger stattfand. Der aktuelle Thronfolger, Prince Charles, trägt ebenfalls den Namen „Prince of Wales“.
Zurück in England und der Kreis schliesst sich mit der Rückkehr nach London
Schon bald verlasse ich Wales wieder und über Shrewsbury bin ich zurück in England und nach 260 km wieder in London. Nach dem Verlassen des letzten Autos bin ich mit der Tube bald an der Station Woodside Park in Finchley und in 5 Min. wieder bei meiner Schlummermutter.
Ich bleibe noch rund eine Woche in London, treffe ehemalige Mit-Studenten und -innen. Auch mit John und seiner Frau, die ich während der Autostopp-Reise durch Frankreich kennenlernte, komme ich zusammen.
Abschied von England – in Dover knapp die Fähre nach Oostende erreicht
Am Tag der Abreise fahre ich mit der U-Bahn bis ans südöstliche Ende der Stadt, um eine bessere Chance für den Autostopp zu haben.
Nach einem längeren Fussmarsch bin ich wieder unterwegs. Das Ziel des Fahrers ist Folkestone, etwas über 100 km entfernt. Toll, finde ich, doch von Folkestone habe ich keine Fähre nach Oostende, sondern nur von Dover. Die letzte Fähre von dort geht um halb fünf Uhr, was sehr knapp werden könnte. Freundlicherweise ist der Fahrer bereit, mich noch die 16 km bis Dover und direkt zum Hafen zu fahren, wo ich 10 Min. vor der Abreise der Fähre ankomme, schnell das Ticket löse und kaum bin ich an Bord, heisst es schon „Leinen los“. Da hab ich aber unglaubliches Glück gehabt. Die 4-stündige Ueberfahrt nach Belgien verläuft ruhig.
Oostende in Belgien
Am Morgen bin ich mit einem Lokalbus an der Ausfallstrasse nach Gent am Stadtrand. Ich denke, ich bin schlau, so weit nach draussen gegangen zu sein, aber oh Schreck, ich sehe an der Strasse rund 15 andere Autostopper, die auch alle nach Gent und/oder Brüssel reisen wollen.
Ich nehme meinen Schweizer Wimpel hervor und platziere mich in einer grösseren Lücke, allerdings im hinteren Drittel in Fahrtrichtung Brüssel der „Autostopper-Schlange“, d.h. mit relativ schlechter Chance. Und einmal mehr wirkt die Schweizer Fahne Wunder, denn nach ungefähr einer Viertelstunde hält ein Wagen mit grossem Bremsgequitsche bei mir an und ich kann einsteigen. Während dieser Wartezeit hielt kein anderes Auto bei irgendeinem der Wartenden an – und nur ich habe wieder „Schwein“. Blasses Erstaunen bei den übrigen Autostöpplern.
Der Fahrer bestätigt mir denn auch beim Wegfahren, dass er nur wegen meiner Schweizer Fahne angehalten habe, da er sonst niemanden mitnehme.
Mein nächstes Ziel erreicht – Brüssel und die Weltausstellung „Expo 58“
Mit zwei weiteren Autos gelange ich schlussendlich nach Brüssel. Am Abend führt mich ein kleiner Stadtspaziergang u.a. zur berühmten kleinen Statue „Manneken Pis“ und zum Rathaus.
Weltausstellung „Expo 58“
Das offizielle Motto lautet „Technik im Dienste des Menschen. Fortschritt der Menschheit durch Fortschritt der Technik.“ Dazu passend werden die beiden neuen Zukunftstechnologien Raumfahrt und Atomkraft erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Es ist die erste Weltausstellung nach Ende des Zweiten Weltkriegs.
Atomium – das Wahrzeichen der Ausstellung
Um den Leistungsstand der belgischen Stahlindustrie zu demonstrieren, wurde das Atomium als Hommage an das Zeitalter der Schwerindustrie entworfen. Es stellt die 165-milliardenfache Vergrößerung eines Eisenmoleküls dar. Im Inneren der Kugeln befinden sich Ausstellungen zum Thema Atomkraft, in der obersten Kugel ein Restaurant mit Aussicht über das Ausstellungsgelände.
Ich schlendere durch die Ausstellung, schaue hier und dort in einen Pavillon rein, wobei diejenigen der beiden Supermächte USA und Sowjetunion schon beeindrucken. Vor allem der sowjetische Pavillon, der grösste von allen, wirkt protzig. Man kann Modelle der Raumfahrt-Technik bestaunen. Nicht umsonst hat die Sowjetunion sechs Monate vor Beginn der Expo erstmals einen Satelliten – den Sputnik – ins Weltall befördert. Dies wird in der Ausstellung entsprechend propagandistisch ausgeschlachtet. Geprägt ist die Ausstellung durch die Rivalität der Westmächte mit dem Ostblock.
Natürlich mache ich auch halt beim Schweizer Pavillon mit seinem künstlichen See. Die Ausstellungshallen präsentieren die Textil- , Uhren-, Chemie-Industrie und den Tourismus. Durch die Ausstellung führt eine Schwebebahn „made in Switzerland“. Beeindruckt von dieser Ausstellung kehre ich am Abend in die Jugi zurück.
Schon wieder – zum dritten Mal – in Paris
Nachdem ich 1955 und 1956 anlässlich meiner beiden Autostopp-Reisen bereits in Paris war, will ich diese faszinierende Stadt nochmals besuchen. Zudem wohnt ein Kollege, den ich von Zürich kenne, seit einigen Monaten in Paris und wir haben vereinbart, dass ich ihn einmal besuchen komme.
Ich begebe mich beizeiten auf den Weg, da es bis Paris doch über 300 km sind und ich möchte unbedingt heute abend dort sein. Zu einem Aussenquartier gehts mit einem Lokalbus und „bewaffnet“ mit meinem Schweizer Wimpel und dem Zettel „Paris“ als Destination stelle ich mich an die Strasse – und tatsächlich, ich komme am späten Nachmittag in Paris an.

Place de la Concorde
Ich treffe meinen Kollegen Kurt und kann bei ihm auf einer zusätzlichen Matratze am Boden schlafen. Es ist Freitag und am Samstag und Sonntag zeigt er mir „sein“ Paris, abseits der üblichen Touristenströme.
Allein am Samstagabend flaniere ich noch in Montmartre über den Place Pigalle und vorbei – nicht hinein mangels Finanzen – am Cabaret Moulin Rouge.
Das „Grande Finale“ mit 1 Auto bis Basel und Rückkehr nach Hause
Am Montagmorgen stelle ich mich in einem Aussenbezirk wieder an die Strasse, ausgerüstet mit dem Schweizer Wimpel und einem Zettel „Bâle“.
Die Rückreisen von Paris in die Schweiz haben es irgendwie in sich und sind mir gut gesinnt, denn ich kann es kaum glauben, aber nach grösserer Wartezeit hält ein Auto mit „BS“-Nummernschild, der mich die 533 km bis Basel mitnimmt. Es ist ein freundlicher und gesprächiger Geschäftsmann auf seiner Rückreise und er ist froh, muss er den langen Weg nicht allein zurücklegen. Unterwegs werde ich zu Kaffee und Mittagessen eingeladen.
Am späten Nachmittag treffen wir in Basel ein und ich gehe zu meiner Tante und kann bei meinem Onkel übernachten und mich zu Hause melden, dass ich wieder in der Schweiz bin.
Dann ist es wieder soweit, ich schaffe die rund 100 km bis Winterthur im Laufe des Tages locker. Die Familie ist froh und glücklich, dass ich heil und gesund wieder zurück bin.
Was bleibt?
Es war eine teils abenteuerliche Reise, habe viele Begegnungen mit interessanten Menschen erlebt, tolle und eindrückliche Landschaft durchfahren, aber auch endlose Stunden am Strassenrand gewartet oder unzählige Kilometer zu Fuss zurückgelegt. Aber all die Mühsal ist Vergangenheit und was bleibt, sind phantastische Erinnerungen, die ich zeitlebens nicht vergessen werde.