Rund um Baja California von San Felipe nach San Diego, 1982
Im Rahmen unserer „Adventure Tours“ erhalte ich von der bekannten Expeditionsfirma Lindblad Travel eine Einladung für diese Kreuzfahrt anfangs April 1982 mit Walbeobachtungen, um abzuklären, ob eine solche Reise allenfalls in unser Angebot aufgenommen werden kann.
Baja California, Land und Meer
ein echtes Paradies für alle Naturliebhaber.
Am Morgen nach meiner Ankunft in San Diego treffe ich die übrigen rund 70 Passagiere und die Busfahrt führt uns über Mexicali nach San Felipe am nördlichen Ende des „Gulf of California“, dem Meeresarm zwischen dem mexikanischen Festland und der Halbinsel.
Einschiffung auf MV Pacific Northwest Explorer
Wir müssen uns beeilen, da infolge einsetzender Ebbe wir Gefahr laufen, nicht mehr auslaufen zu können, da Wasserstand zu niedrig. Der Captain schafft es gerade noch, obwohl nur noch 1 m über Grund bleibt.
Unsere Fahrt auf der rund 1,300 km langen Ostküste bis nach Cabo San Lucas im Süden ist unglaublich abwechslungsreich, geprägt von einzigartigen Landschaften und Begegnungen mit der Tierwelt.
Dank des geringen Tiefgangs des Schiffes können wir sehr nahe an kleine Felseninseln fahren zur Vogelbeobachtung. Auch können wir mit kleinen Schlauchbooten am Ufer anlegen und steigen eine Anhöhe hinauf, wo wir – vorsichtig und langsam vorangehend – brütende Vögel beobachten können, die sich aber nicht stören lassen.
Unterwegs beobachten wir auch Kolonien von Robben an felsigen Ufern und Rudel von Delfinen, die an uns vorbeiziehen.Und immer wieder sind eine grosse Anzahl verschiedenster Vogelarten auf den Felsen zu beobachten und am Ufer räkeln sich faul die Robben. Und – sehnlichst erwartet – tauchen immer wieder Wale auf, die unschwer zu erkennen sind.

Delfin-Schauspiel direkt neben dem Schiff

Robben-Siesta
Wir sehen ihre grossen Körper schon von weitem, leicht über dem Wasserspiegel und dem bekannten „Blas“, der beim Ausatmen kondensierten Feuchtigkeit der Atemluft. Sieht jeweils aus wie ein kleiner Geysir. Die Nasenlöcher der Wale bilden das Blasloch. Sie liegen auf der Oberfläche des Kopfes, so dass der Körper beim Atmen untergetaucht bleiben kann.
Wir gehen auch auf dem Festland an Land, besteigen ein Allradfahrzeug und fahren zu einem riesigen Kakteenwald, wo wir anlässlich eines längeren Fussmarsches riesige Kakteen und in eigenartigen Formen beobachten können.
Beim Fotografieren rutsche ich auf dem glitschigen Terrain aus und eine Kaktusnadel schlitzt mir am rechten Unterarm beim Ansatz der Handballe eine 7 cm langen Schnitt auf, schön direkt neben einer Vene. Die Narbe ist auch heute noch gut ersichtlich.
Ein Picknick-Lunch mit Lagerfeuer am Ufer sorgt für eine angenehme Abwechslung.
Riskante Durchfahrt bei einem grossen Fels-Torbogen
An der Südspitze, in Cabo San Lucas, erwartet uns ein besonders aufregendes Highlight:
Eine wilde Felsküste in allen möglichen Formen, einzelne hoch aufragende Felsen und andere wieder zu einem Torbogen formend. Und als grosses Spektakel schickt sich der Captain an, mit unserem Schiff auf engstem Raum zwischen den Felsen und durch den Torbogen zu fahren, die Untiefe auf seinem Gerät im Kommandoraum immer scharf im Auge behaltend. Wir wollen ja nicht auf Grund auflaufen. Nie hätten wir gedacht, dass wir durch dieses „Nadelöhr“ fahren können.

Unglaublich – aber wir sind durch dieses “Tor” gefahren!
Einen einsamen Strand zwischen den Felsen erreichen wir mit unseren Schlauchbooten und geniessen ein herrliches Bad.
Nach Cabo San Lucas sind wir nicht mehr in der geschützten „Sea of Cortes“, sondern im offenen Pazifik und der Seegang wird rauher und rauher, sodass wir in unserem kleinen Schiff auf den restlichen 1700 km entlang der Westküste bis zu unserem Endziel San Diego in Kalifornien recht durchgeschüttelt werden!
Rund 600 km nordwärts erreichen wir die Lagune San Ignacio. Diese ist nicht nur ein Schutzgebiet für Grauwale, sondern sie ist auch der letzte Brutplatz und unentwickeltes, also ursprüngliches Aufzuchtgebiet der Pazifik-Grauwale.
(Anmerkung: im Jahre 1993 erklärten die Vereinten Nationen die San Ignacio Lagune als Weltkulturerbe – World Heritage – aufgrund der grossen Wichtigkeit für die Weltgemeinschaft.)
Im Schlauchboot mitten in einem Rudel von Walen
Wir gehen in der Lagune vor Anker und steigen um in die kleinen Schlauchboote. Was jetzt folgt, kann man kaum beschreiben: Wir sind bald mitten in einem Rudel von ca. 20 – 30 Walen, grosse und kleine, Mütter mit Babies etc. – ein unglaublicher Anblick.
Und es passiert schon mal, dass wir mit dem Schlauchboot den Körper eines Wals berühren, einen kleinen Stoss verspüren und wir so praktisch den Wal berühren können.

Wir berühren uns – einmalig!
Wir sind wie auf Nadeln, dass uns diese Giganten mit einer kleinen Bewegung samt Schlauchboot in die Höhe katapultieren könnten – aber diese Wale sind so friedlich und ziehen in Zeitlupe an uns vorbei oder bleiben auf unserer Höhe.
Wir alle sind tief bewegt von diesem Erlebnis und fühlen uns in einer andern Welt. Nur ungern verlassen wir wieder diesen einzigartigen Ort und kehren auf unser Schiff zurück.
Robben-Kolonie
Auf der Weiterfahrt der Westküste entlang haben wir nochmals Gelegenheit für einen Landgang. Was wir sehen ist eine riesige Robbenkolonie und es ist fast unheimlich und doch faszinierend, mich mitten in diesen – wie es scheint trägen – Tieren zu bewegen ohne dass sie von mir Notiz zu nehmen scheinen.

“Eltern-Disput” oder nur laute Plauderei?
In San Diego geht diese aufregende Kreuzfahrt zu Ende, wir sind zurück in der Zivilisation und die Erinnerungen an beeindruckende Momente und Begegnungen mit den unterschiedlichsten, faszinierenden Tieren bleiben lange haften.