Von den Anfängen des Tourismus bis zur Gegenwart

47 Stunden & 3000 km in der Transsibirischen Eisenbahn

Nachodka – Khabarovsk 1968
Schul- und Studienreise nach Sibirien, 2019
Jekaterinburg – Novosibirsk – Krasnojarsk

 

Das unbekannte Sibirien entdecken, 1968
Es laufen die Vorbereitungen für Reisen an die Weltausstellung Expo 70 in Osaka, Japan. Eine mögliche Reisevariante ist über Russland-Sibirien. Die Gegend ist wenig bekannt, touristisch aber sehr interessant und zudem die Flugroute über Sibirien kürzer als auf der Höhe nördlich des Äquators. Ein Grund für diese Variante ist die Offerte der russischen Fluggesellschaft Aeroflot mit sensationell tiefem Flugtarif.

Im Juni beende ich meine langjährige Reiseleiter-Tätigkeit und übernehme neue Aufgaben am Hauptsitz. Mit Kundenwünschen auf Reisen nun bestens vertraut, werde ich beauftragt, die Variante „Russland-Sibirien“ zu rekognoszieren. Was kann ich auf meiner Reise nach Japan und zurück noch einbauen, um möglichst viele Informationen für interessante Reise-Varianten zusammentragen zu können?

Schlussendlich steht mein Programm und ich mache mich am 22. August auf zu einer 27-tägigen, interessanten und abenteuerlichen Reise nach Bangkok – Hongkong – Taiwan – Tokyo und Schifffahrt von Yokohama nach Nachodka – Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Khabarovsk in Ostsibirien – Flüge nach Irkutsk am Baikalsee – Ulan Bator/Mongolei – Novosibirsk – Moskau.

Nachodka – Khabarovsk in 15 Std. über 772 km mit der Transsibirischen 
Die Ueberfahrt mit Schiff von Yokohama/Tokyo nach Nachodka verläuft ruhig.

Ankunft im Hafen von Nachodka, Russland

Mein Weg führt mich vom Hafen direkt zum Bahnhof und um 19.15 Uhr verlasse ich Nachodka an Bord der legendären und berühmten Transsibirischen Eisenbahn. Ich habe ein Vierbett-Abteil, das ich mit russischen Passagieren teile. Die meisten sind recht verschlossen, aber zwei Abteile weiter ist ein Russe, der wenig Englisch spricht und versteht. So ergeben sich doch noch interessante Gespräche auf der langen Fahrt.

Es ist ein völlig neues Gefühl von Bahnfahren. Man richtet sich gemütlich ein im Abteil und stellt sich gedanklich und positiv ein auf eine lange Fahrt ohne Stress und Zeitdruck. Man hat genug Musse, mit Mitreisenden ins Gespräch zu kommen, spaziert mal durch den ganzen Zug und stellt fest, dass auch andere Passagiere durch die Ratterei des Zuges nicht schlafen können und im Gang draussen in Gruppen diskutieren oder auch gedanklich abwesend in die dunkle Nacht hinausstarren.

Bei meinen Ausflügen in andere Wagons stelle ich unschwer fest, dass ich weit und breit der einzige westliche Tourist bin und auch entsprechend skeptisch angeschaut werde. Ob der wohl ein westlicher Spion ist?

Am späten Vormittag fahren wir in den Bahnhof von Khabarovsk ein und kurz darauf bin ich im einfachen, jedoch besten Hotel, dem Zentralnaja.

Ankunft im Bahnhof Khabarovsk

Das war meine erste Fahrt in der berühmten Transsibirischen, die einen grossen Eindruck hinterlassen hat. Nie hätte ich damals gedacht, dass ich 51 Jahre später diesen legendären Zug noch zweimal erleben werde.

Khabarovsk
Die Stadt liegt am Amur-Fluss, unweit der chinesischen Grenze. Ich bleibe noch einen Tag, um einen Eindruck zu erhalten. Beeindruckend der Lenin Platz mit dem Brunnen, der zweitgrösste Platz Russlands nach dem Roten Platz in Moskau. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Kathedrale sowie einige grosszügige Parkanlagen und Teiche.

Lenin-Platz, Khabarovsk

Hauptstrasse in Khabarovsk

Schul- und Studienreise nach Sibirien 2019

Aufgrund meiner Erlebnisse mit der Russischen Raumfahrt 2018 und den vielen geknüpften Kontakten lerne ich nun ihre Sprache. In den Sommerferien organisiert die Schule – das Russische Sprachstudio in Zürich – eine interessante Reise in den Ural und Sibirien mit längeren Fahrten mit der berühmten Transsibirischen Eisenbahn.

Wir sind eine kleine Gruppe und fliegen mit Aeroflot über Moskau direkt nach Jekaterinburg.

Jekaterinburg – Ausgangspunkt nach Sibirien
Es ist die viertgrösste Stadt des Landes mit ca. 1,4 Mio Einwohnern. Sie liegt am Fluss Isset und am Uralgebirge, der Trennlinie zwischen Europa und Asien. Bekannt auch als wichtige Industrie- und Universitätsstadt.

Wir besuchen das historische Stadtzentrum und in Ganina Yama die Gedenkstätte für die ermordete 7-köpfige Romanow-Familie des (letzten) Zaren.

Wir haben noch etwas Zeit, gehen in einen Supermarkt und kaufen Essen und Getränke für die bevorstehende Eisenbahnfahrt.

Erlebnis Transsibirische Eisenbahn – in 20 Std über 1480 km nach Novosibirsk
Rechtzeitig sind wir am Bahnhof und nach Kontrolle unserer Tickets und Pässe beziehen wir in der 2. Klasse unsere Abteile. Um 20.00 Uhr setzt sich der Zug pünktlich in Bewegung. Es ist dunkel und wir lassen für einige Minuten die nächtliche Stadt an uns vorbeiziehen.

Kurz vor dem Einsteigen in Jekaterinburg

Wir haben es gemütlich, stossen mit Champagner auf unsere Reise an und verzehren das Mitgebrachte. Mit ausgiebigen Diskussionen und Anekdoten verrinnt die Zeit im Fluge und es ist kurz nach Mitternacht, als wir versuchen, trotz Rattern und Quietschen des Zuges einzuschlafen.

Wir erwachen früh und lassen uns vom Servicepersonal Tee oder Kaffee bringen.
Der Zug rattert und rattert und wir haben ausreichend Zeit und Gelegenheit, die unendliche Landschaft, grösstenteils unbewohnt und mit endlosen Birkenwäldern besetzt, zu beobachten und uns bewusst werden, was für riesige Ausmasse in diesem Land bestehen.

Unterwegs wird in Omsk, einer grösseren Stadt, ein halbstündiger Halt eingeschaltet, da die Toiletten in den Zugabteilen geleert werden müssen!

Zwischenhalt in Omsk

Die Fahrt geht weiter und am Nachmittag um 16.00 Uhr Lokalzeit fahren wir in den Bahnhof von Novosibirsk ein.

Bahnhof Novosibirsk, Ausblick vom Hotelzimmer

Unser Vierstern-Hotel liegt direkt gegenüber dem grossen Bahnhof und wir können von unserem Zimmer im 20. Stock einen ersten Eindruck über die Stadt gewinnen.

Akademgorodok – das Wissenschaftszentrum Sibiriens
ist unser Ziel am nächsten Tag. Im Jahre 1957 als Stadt der Wissenschaft errichtet, inmitten von Birken- und Kiefernwäldern am Ufer des Ob-Stausees und ca. 30 km südlich der Stadt. Heute gehören mehr als 40 wissenschaftliche Institute und Laboratorien zu diesem Wissenschaftszentrum.

Akademgorodok, die grüne Stadt

Wir besuchen das Geologische Museum mit der grössten Mineralien-Sammlung Sibiriens. Wir erfahren viel Wissenswertes über die Mineralressourcen Russlands.

Am nächsten Tag lernen wir bei einem Stadtrundgang die historische Innenstadt kennen, allen voran den Lenin-Platz mit dem Opern- und Ballett-Theater, einem der schönsten und bekanntesten Gebäude der Stadt. Wir sind beeindruckt vom Freilichtmuseum für das Eisenbahnwesen sowie das angrenzende Flugzeug- und Automobil-Museum, die uns äusserst interessante Einblicke in die russische Transport-Geschichte geben.

Oper- und Ballett-Theater

Transsibirische Eisenbahn nach Krasnojarsk in 12 Std. und über 674 km
Schon bald ist es wieder Abend, noch schnell wieder im Supermarkt etwas einkaufen für die bevorstehende Zugfahrt und wir sind pünktlich am Bahnhof für die Abfahrt um 20.00 Uhr. Heute fahren wir in der 1. Klasse und haben 2er Abteile, wobei ich das Abteil mit einem leider nicht sehr gesprächigen jungen Russen teile.
Wir machen es uns in einem Abteil gemütlich und ziehen uns gegen Mitternacht in die einzelnen Abteile zurück.

Mein Abteil ist direkt über der Achse, sodass ich aufgrund des Lärms und der Schüttelbewegungen lange nicht einschlafen kann. Ich nehme mein Kopfkissen und gehe in den nächsten Wagen, dem Speisewagen, und hoffe weg von der Achse einen ruhigeren Platz zu finden, aber Fehlanzeige.

Bequemer Speisewagen

Ich erwache bei Tagesanbruch und staune, wie sich die Landschaft vollständig geändert hat. Von den Birkenwäldern sind wir nun mitten in der Taiga angekommen, den unendlich grossen Wäldern und wir sind fasziniert vom Ausmass dieser für uns einmaligen Landschaft.

 

Erst während der Fahrt näher zu unserem Ziel tauchen einzelne kleine Dörfer auf, die jedoch fast ausnahmslos aus kleinen Holzhäusern bestehen, also die ursprünglich russische Behausung.

Gegen 09.00 Uhr sind wir am östlichsten Ziel unserer Reise, der Stadt Krasnojarsk, angelangt.

Bahnhof Krasnojarsk

Krasnojarsk
Die Stadt liegt am Flug Jenissei und zählt rund 1 Mio Einwohner. Hier sind mehrere Hochschulen und Universitäten ansässig: Die Stadt verfügt seit 1978 auch über ein großes Opern- und Ballett-Theater.

Wir erkunden den historischen und modernen Teil der Stadt zu Fuss, flanieren später entlang der Hauptstrasse zum Denkmal von Alexander Pushkin, dem berühmten russischen Dichter und seiner Frau Natalia Goncharova.

Pushkin Denkmal

Unser Hauptziel für den Besuch von Krasnojarsk ist der Ausflug zum 10 km entfernten
Stolby Nationalpark (Stolby bedeutet Säulen)
wo sich die einzigartigen bis zu 100 m hohen Felsen befinden.

Ueber eine wunderbar und bequem angelegte Holztreppe mit einigen hundert Stufen gelangen wir hinauf zum Plateau, wo sich unzählige dieser teils bizarren Felsen befinden.

“Opa” mit Dächlikappe

Auf einem Felsen mit einem kleinen Plateau sind wir beeindruckt von der  phantastischen Aussicht über die unendliche Taiga, die typische Waldlandschaft. Wir sehen nur die bewaldete und hügelige Landschaft so weit unser Auge reicht.
Wir sind tief beeindruckt und verlassen nur ungern dieses Naturparadies.

Ausblick über die unendliche Taiga

Eine sehr interessante Reise findet ihr Ende. Wir haben viel über Russland und seine Geschichte erfahren, sind beeindruckt von der vielfältigen und eindrücklichen Landschaft und vom riesigen Ausmass dieses Landes sowie der Freundlichkeit und Gastfreundschaft ihrer Landsleute.

Und nicht zu vergessen: wir waren eine tolle, kleine Gruppe, hatten uns untereinander sehr gut verstanden und viel Interessantes austauschen können und auch immer viel Spass gehabt. Danke an meine tollen Mitreisenden, ihr ward super!

Rückflug nach Moskau und Zürich
Obwohl wir im Zentrum Sibiriens sind, beträgt die Distanz nach Moskau 3500 km. das wir nach einem Flug von 4,5 Std. erreichen. Zürich ist dann nur noch 2300 km und 3,5 Std. entfernt.

 

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