Von den Anfängen des Tourismus bis zur Gegenwart

Niger – Berge, riesige Dünen und endlose Wüste

Landrover-Expedition im Niger, Zentral-Sahara, 1976

 

Die Sahara-Wüste lockt
Ich werde von unserer Filiale in Rom kontaktiert, dass Vittorio, ein Italiener, in der Zentral-Sahara Wüsten-Expeditionen organisiert. Das ist die Chance, unseren Katalog „Adventure Tours“ mit einer grossen Attraktion zu bereichern.

Ich kontaktiere ihn per Fernschreiber (Telex, Übertragung mit Lochstreifen!) und wir sind uns bald einig, dass ich mich einer Land Rover-Expedition mit einer italienischen Gruppe im März 1976 anschliesse, um die ganze Organisation und Ablauf einer solchen Expedition hautnah zu erleben.

Agadez – Ausgangspunkt unserer Expedition 
Nach einem Flug über Paris und Niamey lande ich in Agadez, Vittorio empfängt uns und in ein paar Minuten sind wir im Hotel de l’Air, dem einzigen Hotel im Ort. Unser Hotel entspricht mit seinen rotbraunen, rohen Aussenwänden aus Lehm und den Gewölben im Innern und den Höfen ganz den Vorstellungen eines „Wüstenhotels“.
Die Terrasse eignet sich ausgezeichnet für Fotografen und am Abend dient sie als Freiluft-Speisesaal.

Wir haben Zeit, uns im pulsierenden Markt umzusehen, der uns in eine andere Welt versetzt.

Vittorio, unser Expeditionsleiter
1971 von Rom nach Iferouane in der Republik Niger ausgewandert, beginnt er, das Gebiet um das Air-Gebirge und die grosse Wüste Ténéré zu erforschen und zu entdecken.

Im Jahre 1973 organisiert er zum ersten Mal Expeditionen mit Touristen. Seit Beginn seiner Aktivität hat er sich auf die Ausführung von Reisen mit Qualität ausgerichtet, sei es für die Art und Weise der Durchführung und für das Programm in landschaftlicher und kultureller Hinsicht, die den Teilnehmern einen realen Kontakt mit den interessanten Gebieten ermöglicht.

Diese Orientierung hat ihren Ursprung in der Überzeugung, dass die Sahara nicht weiterhin nur als ein von der Natur aufgestelltes Hindernis angesehen wird und dass die einzige Beziehung, die der Mensch zu ihr haben kann, im Versuch besteht, sie zu „durchqueren“ und grosse verborgene Schätze und Schönheiten zu entdecken. Die Expeditionen beschränken sich lediglich auf einen kleinen Teil der Sahara, jenen der Republik Niger, wohl ein kleiner Teil, aber es umschliesst doch ein Gebiet von rund 800×1300 km und damit fast so gross wie Zentraleuropa.

Aufgrund von Luftaufnahmen und in unzähligen Entdeckungsreisen war es Vittorio möglich, Routen und Wege zu eröffnen, vor allem vom Bergmassiv des Air in die grosse Wüste und umgekehrt, die solche Reisen ins Unbekannte, teilweise abseits von jeglichen Pisten und nur anhand von Kompass überhaupt erst ermöglichten.

Unser Transportmittel
Wir reisen in Land-Rovers vom Typ Station-Wagon, die nicht älter als 2 Jahre und entsprechend umgebaut sind, damit statt 12 nur 6 Personen Platz haben, dafür zusätzlich Platz für Material geschaffen ist, wie Gepäck der Teilnehmer, Plastikcontainer für Expeditionsmaterial, eingebaute Wasserreservoir, 10 Plastik-Kanister à 20 L Trinkwasser etc. Auf dem Dach werden vor allem Matratzen, Zelte, Proviant, Benzinvorräte und – vor Traversierung der grossen Wüsten – Holz für Kochen und Lagerfeuer verstaut.

Wir benützen 4 Landrovers, wobei Vittorio persönlich das Spitzenfahrzeug pilotiert und die übrigen drei von einheimischen, zuverlässigen Fahrern im Alter von 22 bis 26 Jahren. Das vierte Fahrzeug ist das Materialauto mit Ersatzteilen und weiterem Material und der Fahrer ist zugleich Mechaniker. Er fährt deshalb am Schluss des Konvois.

Vor Eintritt in die grosse Wüste noch “Selfservice” mit Holz-Vorräten für die nächsten Tage

Unsere Unterkunft, Verpflegung und Trinkwasser
wir schlafen in Zelten vom Typ „Igloo“, aufblasbar (also ohne Stangen in der Mitte) und mit Reissverschluss ausgerüstet. Statt drei belegen nur 2 Personen ein Zelt, damit auch das persönliche Gepäck Platz findet.
Von der Expeditionsleitung werden uns zur Verfügung gestellt:
– eine 10cm dicke Kautschuk-Matratze mit Kopfkissen
– ein Doppelschlafsack
– eine Feldflasche, 1 L, für das Trinkwasser

Die verschiedenen Mahlzeiten sind vielfältig, 60% der Nahrung besteht aus Konserven und Fertigprodukten. Die frische Nahrung basiert auf frischem Rindfleisch, Schaffleisch und Poulets, die lebend mitgenommen, bei Gelegenheit geschlachtet und später wieder neue dazu gekauft werden, sowie Gemüse. Kaffee, Milch, Schokolade, Tee, Bouillon, Biscuits, Trockenbrot, Konfitüre, Käse oder Früchte, Suppe, Gebäck etc. gehören zum Menuplan. Solange wir lebende Hühner dabei haben, werden wir am frühen Morgen mit Hahnengeschrei geweckt – was für eine Welt!

Das mitgeführte Wasser in Kanistern dient nicht nur als Trinkwasser, sondern auch für die Küche und das Waschen am Morgen. Bei den Brunnen (Puits) unterwegs können die Kanister wieder aufgefüllt werden. Das Trinkwasser ist während der gesamten Expedition in unbeschränkter Menge verfügbar.

Das grosse Abenteuer kann beginnen ….
Die Fahrt in fast östlicher Richtung führt uns durch eine Steppenlandschaft, abwechslungsweise mit Steinwüsten, hügelig und südlich abgegrenzt durch die langgezogenen Felshügel von Tiguidit.

Wir verlassen die gut markierte Piste, um zu den Felsen von Tiguidit mit seinen gravierten Felszeichnungen zu gelangen. Diese sind von Vittorio erst vor zwei Wochen entdeckt worden und stellen hauptsächlich Frauen, Giraffen, Hirsche, Kamele etc. dar. Auf der Weiterfahrt nach Osten finden wir Ueberreste von Prä-islamischen Gräbern, die auf einer leichten Anhöhe davon zeugen, dass in dieser Nähe grössere Städte existiert haben müssen.

Die weitere Fahrt wird sehr abwechslungsreich, teilweise Sand, Steppe, richtige Steinwüste, kleinere Hügel und Vulkane im Hintergrund. In diesem Gebiet begegnen wir den ersten Kamelkarawanen (an einem Vormittag allein sieben!).

Immer wieder Begegnung mit riesigen Salz-Karawanen

Es sind die berühmten Salzkarawanen, die zwischen Agadez und Fachi/Bilma durch die endlose Wüste Ténéré bis zu 450 km unterwegs sind. Wir zählen pro Karawane bis zu 70 Kamele, begleitet lediglich von ein paar Männern und Knaben. Da die Wüste fast vegetationslos ist, tragen die Tiere ihr eigenes Futter mit.

Das grosse Wüstenerlebnis!

Ténéré – die Wüste der Wüsten. Ténéré bedeutet „le grand rien“, das grosse Nichts, dort wo nichts existiert, kein Wasser, keine Bäume, Sträucher, nichts.
Die Wüste Ténéré ist die absolute Unendlichkeit,
wo kein Bild unsern Geist entscheidend beengt,
sodass er, frei wie niemals zuvor,
die Grenzen seiner Betrachtungsmöglichkeiten erreichen kann.

Nach rund zwei Tagesreisen (210 km) erreichen wir die grosse Wüste. Vorbei am “Arbre de Ténéré” dringen wir nun ein in die riesige Wüste, die Route führt fast  parallel mit den in ca. 45° östlicher Richtung verlaufenden Dünen, d.h. die Fahrt erfolgt in effektiven Tälern zwischen den vielfältigen und endlosen Dünen, die von Zeit zu Zeit überquert werden müssen. Wir staunen, wie Vittorio den Zustand und die Beschaffung des Sandes „lesen“ kann, um die Passage für die Überquerung zu finden und schaffen zu können. Sehr ähnlich wie verschiedene Schneeverhältnisse.

Eindrückliche Passagen von einem “Tal” zum anderen.

Oase Fachi
Nach etwas mehr als einer Tagesreise in der endlosen Wüste, immer wieder mit Begegnung von Kamelkarawanen, erreichen wir eine Anhöhe und es öffnet sich uns plötzlich der Blick hinunter auf die riesige Oase mit den grünen Palmen, fast etwas Unwirkliches, das wie ein Wunder wirkt und man eher an eine Fata Morgana glauben könnte.

Eine Kamel-Karawane nähert sich der Oase Fachi, Himmel mit “Sand-Staubwolken” bedeckt

Fachi ist die einzige wichtige Station der berühmten Salz-Karawanen von Agadez nach Bilma, weiter im Osten. Zusammen mit Bilma wird hier auf noch altertümliche Weise Salz gewonnen und die Salzziegel an die Karawanen verkauft.
Ausserhalb des Dorfes, am Rande des Palmenhains, ist denn auch der grosse Lagerplatz der Karawanen, wo die Kamele beladen werden.

Die Kamele werden mit Salzziegeln beladen. Im Hintergrund die Vorräte wie “Säulen” aufgestellt

Es bietet sich uns ein grandioses Schauspiel: Kamele soweit das Auge reicht, Palmenhaine und die Berge des Hügelzuges, ein faszinierendes Bild.

Unterwegs zum Brunnen von Achegour
Für die nächsten rund 120 km führt die Strecke in fast nördlicher Richtung über eine Unzahl von Dünenhügeln, die alle in einem ständigen Auf und Ab überquert werden müssen.

Wir fahren hier abseits von jeglichen Pisten und wir ziehen die ersten Spuren in den jungfräulichen Sand. Der im Landrover von Vittorio eingebaute Kompass hilft uns immer wieder, die genaue Richtung auf den „Puits d’Achegour“ einzuhalten.
Langsam verschwinden diese Dünen und die Wüste wird relativ flach, was wiederum eine höhere Reisegeschwindigkeit von 40-50 km/h erlaubt, da der Sand relativ hart ist.

Mutterseelenallein im “Nirgendwo” – wir sind die ersten Menschen hier und ziehen die ersten Spuren in den Sand

Die „Dusche“ am Brunnen von Achegour
In einer flachen Landschaft und am Fusse eines weiteren Hügelzuges, dem „Falaise d’Achegour“, finden wir nach anfänglichem Suchen den „Brunnen“ von Achegour, wo in nur 2,5 m Tiefe herrlich klares Wasser anzutreffen ist.

Alle Trinkwasserbehälter werden aufgefüllt und die Gelegenheit für eine Dusche benützt. (Schlauch und Pumpe an einem Landrover befestigt).

Und immer wieder die traumhaften Sonnenuntergänge, flankiert von Zelt und Landrover

Erstmalige Befahrung der Strecke nach Séguedine mit vielen „Fata Morganas“
Was folgt, ist während rund 170 km in nordöstlicher Richtung eine richtige Entdeckungsfahrt im wahrsten Sinne des Wortes. Mit bestem Kartenmaterial und Kompass sind wir aber gut ausgerüstet.

Ein erster Fixpunkt sind für uns drei Hügel, auf der Karte mit 457 m, 504 m und 482 m.ü.M. angegeben, dazu ein Punkt auf der Karte mit der Bezeichnung „arbre“, wobei wir uns fragen, ob dieser Baum überhaupt noch existiert. Aufgrund der Distanz und der Reisegeschwindigkeit rechnen wir mit einer Fahrzeit von ca. 2 Stunden.
Trotz Kompass und Karte ist es ausserordentlich schwierig, die Orientierung zu behalten, da Gegend absolut flach und, da Mittagszeit, vor unzähligen „Fata Morganas“ kein eigentlicher Horizont auszumachen ist. Wir machen 1-2 Stopps, um Position, auch aufgrund des Sonnenstandes, zu überprüfen.

Die drei Hügel sind schon von weither sichtbar (wie sich später herausstellte, betrug die Distanz vom Moment des Erblickens bis zum effektiven Punkt rund 15-20 km!) und nach einiger Zeit – die Hügel schienen immer noch gleich weit entfernt zu sein – taucht plötzlich, praktisch „im Wasser einer Fata Morgana“, ein dunkler Punkt auf, der immer grösser wird und uns die Gewissheit gibt, den richtigen Punkt gefunden zu haben.

Endlich den gesuchten “dunklen Punkt” vor einem Hügel gefunden

Wir alle – vor allem auch Vittorio – sind erleichtert und stolz, dass wir diese „Erstbegehung“ erfolgreich geschafft und überlebt haben. Ohne Kompass wären wir verloren gewesen und Jahre später hätte man vielleicht unsere Knochen in der Wüste gefunden!

Die Weiterfahrt führt durch eine grandiose Landschaft: steiniger Fels- und Steinboden, langgezogene Wanderdünen und über einen Hügelzug erreichen wir mit der Oase Séguédine wieder die grosse Wüste.

Kontrastreiche Landschaft nach Orida, Djaba und Djado
Diese Tagesreise – wiederum rund 170 km – durch eine kontrastreiche Landschaft hätte zu einem Höhepunkt werden sollen. Sie bleibt allen in ziemlich unangenehmer Erinnerung. Ein starker Sandsturm macht uns vor allem beim Mittags-Picknick zu schaffen.

Wir suchen Schutz zwischen den riesigen Felsformationen, drehen den Rücken gegen den Wind und versuchen, etwas aus Konserven zu essen. Aber bei jedem Bissen „knirschen“ die Zähne und wir spüren den Wüstensand auf der Zunge!
Wir machen uns deshalb so schnell als möglich wieder auf, um weiterzufahren. Die Piste ist steinig und extrem schwierig, auf der Piste zu bleiben, da der Sandsturm den Horizont scheinbar auflöst und Wüste und Himmel in fast gleiche graugelbe, dunstige Farbe verwandelt.

Wir erreichen in Orida, nach145 km, den nordöstlichsten Punkt unserer Reise. Eine märchenhafte Landschaft am Fusse des Djado-Plateaus, wo enorme Kalkfelsen wie Kathedralen aus dem Sand auftauchen. Ein unbeschreibliches, fast unwirkliches Bild, so etwas nach endloser flacher Wüste plötzlich zu erleben.

Unwirkliche, bizarre Felsformationen

Djaba und Djado sind nicht mehr weit. Wie verwunschene Schlösser, zwischen einer üppigen Vegetation von Palmen und Akazien, erscheinen uns die zwei faszinierenden, toten Städte aus vergangenen Berber-Zivilisationen, in das Salzgestein gehauen.

Djado, Zeuge einer vergangenen Blütezeit

Zurück durch die Wüste Ténéré in westlicher Richtung
Wir überqueren einen felsigen Hügelzug und erleben den faszinierenden Übergang in die grosse Wüste. Erst noch felsig, dann grobes Gestein, übergehend in feiner werdendes Kies und praktisch unmerklich in groben und schliesslich feinen Sand; ein Vorgang, der in nur wenigen Kilometern beobachtet werden kann.
Und wieder stehen wir vor der endlosen Ausdehnung der Ténéré-Wüste.
Die Sonne erhebt sich hinter unserem Rücken und wandert mit uns durch die Wüste, diese mit Licht überflutend.

Die nächsten 1 1/2 Tage fahren wir nun, ohne eine einzige Kurve nehmen zu müssen, in 250° westlicher Richtung.

Es geht gegen Abend und es ist darum bald Zeit, an das Camp für die Übernachtung zu denken. Die Land Rover, anstelle der üblichen Fahrt hintereinander, begeben sich langsam auf eine Linie auf gleicher Höhe und Vittorio entscheidet sich anzuhalten. Alle sind schön ausgerichtet, keine Kurve war notwendig. Wir steigen aus und wählen unseren Standort für das Zelt.

Der klappbare Frühstückstisch ist von Vittorio bald gedeckt, im Hintergrund das gelbe Toilettenzelt!

Nach dem Aufräumen am nächsten Morgen geht die Fahrt ohne jegliches Manöver und vom gleichen Fleck wo wir am Vorabend angehalten haben, in die gleiche Richtung geradeaus weiter. Faszinierend.

Ein vollständiger Gegensatz zur ersten Traversierung, da hier, soweit das Auge reicht, auf 360°, alles flach und kein einziges Lebewesen anzutreffen ist. Wie klein und hilflos kommen wir uns in dieser unermesslichen Weite vor!

Immer wieder kommen wir zu Stellen, wo durch die Sandverwehungen der ursprüngliche Boden zum Vorschein kommt. Hier finden sich Überreste der alten Zivilisationen. Wir entdecken geschliffene Pfeilspitzen, kleine Muscheln und sogar ein geschliffenes neolithisches Steinbeil. Schalen, in welcher, wie da und dort noch heute, Körner zu Mehl verrieben wurden, finden wir massenhaft, teilweise leicht in Trümmer. Ein ganz besonders schönes Exemplar, noch unversehrt, zusammen mit dem Mörser, lag so da, als hätte es jemand eben für uns hingelegt. Das Land hier muss vor rund 30’000 Jahren sehr dicht besiedelt gewesen sein.  (eine Ausfuhr solcher Funde durch Touristen kann mit hoher Busse oder Haft bestraft werden.)

… und immer finden wir noch intakte Utensilien aus längst vergangenen Tagen

Dann tauchen in der Wüste plötzlich wieder vereinzelte Grasbüschel auf, kleinere Hügel werden sichtbar und mit den nun vor uns liegenden Granit-Felsen beginnen auch wieder die Dünen. Aber im Gegensatz zu den Dünen zu Beginn der West-Ost Traversierung, herrscht hier ein wildes Durcheinander von Dünen, das seinen Höhepunkt bei Adrar Chiriet findet.

Das „Wunder“ von Adrar Chiriet
Das Warten auf diese phantastische Begegnung hat sich gelohnt. Hier, an der Pforte der Wüste, ist das Landschaftsbild tatsächlich unwahrscheinlich: von den vorherrschenden Ostwinden zusammengetragene, gigantische Anhäufungen von Sand, den Weg versperrt findend von schwarzen Lavawänden des Air-Gebirges, an dessen Fuss sie sich anhäufen, endlose Form- und Farbkontraste bildend.

Die Faszination “Wüste” mit riesigen Dünenbergen und endloser Dünenlandschaft

Zwischen diesen sich im Kampf befindlichen Elementen wird uns die Einmaligkeit des Lebens klar; wir sehen einzelne Bäume (uralte Tamarisken), die einst am Ufer eines Flusses standen, und auch vereinzelt Strausse und Gazellen. Ein wahrer, unglaublicher Höhepunkt unserer Expedition.

Übergang ins Air-Gebirge und zurück mit Ziel Agadez
Ein schlagartiger Szenenwechsel erwartet uns von der Wüste ins Air-Gebirge, in eine Hölle von lavaartigen Bergen und erloschenen Vulkanen. Unterwegs begegnen wir Gruppen von stolzen Tuaregs auf ihren Kamelen.

Begegnung mit stolzen Tuaregs auf ihrem “Transportmittel”

Iferouane
Dieses Tuareg-Dorf liegt am Fuss der gewaltigen Tamgak-Bergkette und wird oft „Perle des Air-Massivs“ genannt. Vereinzelte mächtige Bäume beleben die Landschaft, dazwischen verstreut stehen die mit Holz oder geflochtenen groben Matten eingefriedeten Gehöfte der Einheimischen. Hinter dem Dorf liegt das ausgetrocknete Flussbett mit breiten Gärten (Grundwasser in einigen Metern Tiefe). Dort stehen auch Dattelpalmen.

 

Geschützte Behausungen in Iferouane

Oase Timia
Nach einer endlosen Fahrt auf denkbar schlechten „Wellblech-Pisten“ seit Iferouane, von kleineren und grösseren Lavablöcken übersät, gelangen wir nach der Traversierung eines Passes hinunter in ein Tal, wo plötzlich, in 1100 m.ü.M., zwischen den Agalak Bergen gelegen, die Oase Timia auftaucht.

Mit ihrem Überfluss an Palmen und Gärten scheint diese Oase eine zauberhafte Insel mitten in der Wüste zu sein, wo die üppige Vegetation scharf von der rauhen Bergwelt rundherum absticht. Südlich von Timia gibt es zudem noch einen kleinen, reizvollen Wasserfall.

Timia plötzlich taucht wieder eine Oase auf

Bei unserem Mittagshalt im Schatten von Tamarisken Bäumen und am Rand des ausgetrockneten Flussbettes, strömen die Leute vom Dorf in hellen Scharen zu uns und umlagern uns, schauen und bestaunen uns aufmerksam und teils kritisch und wohl denkend, was diese komischen Wesen in dieser gottverlassenen Gegend verloren haben.

Unser Mittagshalt in Timie – ein grosser Moment für die Einheimischen

Eindrückliche Begegnung mit Kamel-Karawane
Für die Nacht campieren wir in einem Wadi (ausgetrockneter Fluss). Gleichzeitig kommt eine riesige Salzkarawane, die ebenfalls in der Nähe ihr Nachtlager aufschlägt.
Wir haben Zeit uns dort umzusehen und ich frage Vittorio, er soll sich doch erkundigen, wann die Karawane am nächsten Morgen weiterzieht, damit wir noch Fotos machen können.

Der Kamelführer zeigt mit der ausgestreckten Hand in einem Winkel von ca. 45° nach oben, was bedeutet, dass sie dann weiterziehen, wenn die Sonne diesen Stand erreicht hat.

Ein einschneidendes Erlebnis, das uns klar vor Augen führt, dass diese Kameltreiber ihr Tagewerk dem jeweiligen Sonnenstand anpassen. Eine Uhr dafür braucht es nicht. Auch unser Tagesablauf hat sich im Laufe der Expedition diesem Rhythmus, ähnlich wie die Kameltreiber, angepasst und gewöhnt.

Agadez – und das Ende der Expedition
Auf der Weiterfahrt kommen uns immer wieder Tuaregs, eingepackt in ihre langen Gewänder und Kopftücher auf ihren Kamelen entgegen, immer wieder ein eindrückliches und erhabenes Bild.

… und immer wieder begegnen wir festlich gekleideten Tuaregs

Nach 2 Tagesreisen und 400 km Fahrt seit Iferouane kehren wir nach 11 Tagen mit einer Gesamtdistanz von rund 1500 km zurück an unseren Ausgangspunkt.
Nach der grossen Stille der Wüste wirken die Bilder der vom Leben wimmelnden Stadt fast schockartig. Es ist jedoch im gleichen Moment einfach, eine logische Verbindung zu finden:

Hier ist eine Stadt, deren Grenzen an die Wüste stösst. Da ist eine Wüste, die an allen Ecken in die Stadt eindringt und die allen Aktionen ihren Stempel aufdrückt.

 

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